Promotionsvorhaben

Harry Kirchwehm
Promotionsvorhaben: „Das Züricher Ressourcenmodell zur Stärkung der Selbstwirksamkeit bei Menschen mit HIV/AIDS“

1 Fragestellung
„Ist das Zürcher Ressourcen Modell ein geeignetes Instrument um bei Menschen mit HIV und AIDS die Selbstkompetenz und Selbstwirksamkeit zu verbessern?“

2 Forschungsgegenstand
Die Heterogenität aller Menschen mit HIV/ AIDS bringt unterschiedliche Umgehensweisen mit der eigenen Erkrankung mit sich. Die Frage, ob man grundlegend von der Bedürftigkeit nach Unterstützung und einem defizitären Empfinden bei allen HIV-Positiven ausgehen kann, stellt daher einen wichtigen Grundgedanken dieser Arbeit dar. Sichtbar werden oftmals nur diejenigen HIV-Positiven, die Angebote der Selbsthilfe oder der psychosozialen Beratung in Anspruch nehmen. Es bleibt also zu belegen, inwiefern Überlegungen und Aussagen zu Unterstützungsbedarf und Angeboten verallgemeinerbar sind und welcher Bedarf tatsächlich besteht.
Welche Fähigkeiten braucht ein Mensch, um die individuelle Haltung zur eigenen Person kritisch zu reflektieren um darin bedingt seine Identität zu entwickeln und seine Persönlichkeit zu stärken um selbstbewusst mit der HIV-Infektion umzugehen? Im Vordergrund bei Patient_innen mit HIV und AIDS steht der Umgang mit der Krankheit und der Integration dafür erforderlichen Handelns in die jeweiligen Alltagssituationen. Oftmals ist ein solches Handeln jedoch mit Unannehmlichkeiten verbunden, widrige Umstände werden Auslöser für Vermeidungsverhalten, Rückzug und oft auch Therapieuntreue. Ein offener und selbstbewusster Umgang mit der eigenen HIV-Infektion ist oftmals in der Familie, bei Freunden und Bekannten und noch häufiger im Kontext von Ausbildung und Beruf nicht möglich. Mangelndes Selbstbewusstsein, Selbststigmatisierung und fehlende Selbstkompetenz sowie Selbstwirksamkeit sind die Ursache für Scham und Angst vor Diskriminierung im Umgang mit diesem gesellschaftlichen Tabuthema. Die kritische Selbstreflexion aber auch die Entwicklung eines Verantwortungs-bewusstseins für sich selbst, (also für die eigene Gesundheit) sowie die Selbstwirksamkeit und die damit einhergehende Lebensqualität stellen somit einen wichtigen Aspekt der Selbstkompetenz von Menschen mit HIV und AIDS dar. Diese zu fördern und HIV positive Menschen mit einer geringen Selbstwirksamkeit darin zu unterstützen, Selbstbewusst mit der Krankheit umzugehen und ihre Selbstwirksamkeit zu steigern muss Fokus von individualisierten Angeboten sein.
Stellt das Zürcher Ressourcen Modell eine Interventionsmaßnahme dar, mit der eine Steigerung von Selbstwirksamkeit bei Menschen mit HIV und AIDS erreicht werden kann?

3 Zielsetzung
Das Studienziel ist eine differenziert Abbildung von (subjektiv empfundenen) Beeinträchtigungen in Bereichen der Selbstwirksamkeit und Selbstkompetenz durch die HIV Infektion, sowie die Darstellung inwiefern Interventionsmaßnahmen eine Steigerung der Selbstwirksamkeit bei der Zielgruppe (HIV positiv und eingeschränkte Selbstwirksamkeit) bewirken können. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob und wie der ressourcenorientierte Einsatz der Selbstmanagementmethode Zürcher Ressourcen Modell, zur Steigerung der Selbstkompetenz beitragen kann.
Erwartete Ergebnisse:
Menschen die mit dem HI Virus leben, empfinden oft eine große Scham. Irrationale Ansteckungsängste im sozialen Umfeld der Betroffenen führen immer wieder zu Ausgrenzung und Stigmatisierung. Daher leben viele der HIV-Positiven versteckt und mit der Angst davor, entdeckt zu werden. Es ist zu erwarten, dass bei der Messung der Selbstwirksamkeit deutlich erkennbar ist, dass dieser enorm hohe psychische Druck sowohl die persönliche als auch die berufliche Zufriedenheit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität mindert und damit einhergehend die Selbstwirksamkeit bei (vielen) Menschen mit HIV und AIDS durch ihre Infektion nachweislich beeinträchtigt ist. Sowohl die Ausgestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen, als auch die körperliche Funktionsfähigkeit in Bezug auf alltägliche Lebensbereiche wie Beruf, Haushalt und Freizeit; aber auch Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit werden begleitet durch krankheitsbedingte physische und psychische Beschwerden, so dass eine Beeinträchtigung der Lebensqualität in diesen verschiedenen Dimensionen bei den HIV-Positiven (wenn auch jeweils unterschiedlich stark ausgeprägt) feststellbar sein wird. Begleitend zu diesen Beeinträchtigungen werden auch Minderungen in der Selbstwirksamkeit messbar sein. Das Zürcher Ressourcenmodell ist eine Selbstmanagement-Methode, mit der Nutzer_innen bewusste und unbewusste Bedürfnisse für sich transparent machen und dadurch befähigt sind, eigene Lebensziele und handlungsbeeinflussende Leitsätze zu formulieren, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und somit ihre Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit zu verbessern, die Steigerung der Handlungswirksamkeit steht im Vordergrund dieses Trainings. Damit ist zu erwarten, dass die Dimensionen psychische Verfassung, emotionale Befindlichkeit, Lebenszufriedenheit, funktionale Einschränkungen in alltäglichen Lebenssituationen (Beruf/ Haushalt/ Freizeit) aber auch zwischenmenschliche Beziehungen und soziale Interaktionen durch das ZRM tangiert und beeinflusst werden und eine Steigerung der Selbstwirksamkeit zu messen ist.

4 Theoretische Rahmung
In dem geplanten Vorhaben stehen individuell empfundene Beeinträchtigungen im alltäglichen Handeln von Menschen mit HIV und AIDS im Vordergrund. Motivationspsychologisch ist insofern zu erforschen, worin Ausdauer und Wirkungsstärke der jeweiligen Handlungen begründet bzw. behindert sind. Neben der Erforschung von personenbezogenen, sozialen und strukturellen Einflussfaktoren auf die körperliche und psychische Gesundheit, stehen diejenigen Prozesse im Fokus, die zur Stigmatisierung der erkrankten Personen oder des Krankheitsbildes beitragen und inwiefern sich die „soziale Distanz“ zu Menschen mit HIV und AIDS messen und eine daraus resultierend Beeinträchtigung dieser Personengruppe erkennen lässt. Darüber hinaus sind auch gesundheitspsychologische Aspekte, die sich mit gesundheitsfördernden Maßnahmen beschäftigen zu berücksichtigen. Das Hauptaugenmerk der Arbeit bezieht sich auf die Perspektive der Selbstwirksamkeit und damit verbunden auf Prozesse durch die die individuelle Überzeugung, auch trotz widriger Umstände in der Lage zu sein mit den eigenen Ressourcen ein bestimmtes Verhalten organisieren und ausführen und daran festhalten zu können, gesteigert werden können. Die Steigerung der Selbstwirksamkeit soll im Sinne einer Selbsthilfetechnik durch ein psychoeducatives Selbstmanagementtraining, welches auf motivationspsychologischen, neurowissenschaftlichen und psychoanalytischen Erkenntnissen basiert, erfolgen.

Hier bekommen Sie Informationen zur aktuellen Online-Befragung „Leben mit HIV, Herausforderungen im Alltag“